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Aus Bioabfall wird Biokompost

Teil 1: Die Natur macht’s vor

Seit Tausenden von Jahren wird abgestorbenes organisches Material durch Klein- und Mikroorganismen wieder zu Humus und Nährstoffen umgewandelt. Alles was auf den Boden fällt - Blätter, Früchte, Holz - ist kein Abfall, sondern Grundlage für neues Leben, denn auf diesen Nährstoffen baut die gesamte Nahrungskette bis hin zum Menschen auf.

Am besten kann man dieses Phänomen im Mischwald beobachten - hier, wo die oberste Schicht Waldboden aus organischen Abfällen wie Blättern und Ästen besteht. Sie sind ein gefundenes Fressen für Mikroben und Schimmelpilze. Danach zersetzen Strahlen- und Hutpilze die löslichen Kohlenhydrate, Kohlenhydrat-Verbindungen und Holzstoffe. Und auch zahlreiche Bakterien sind an dem Abbauprozess beteiligt.

Die zweite, darunterliegende Bodenschicht besteht bereits aus stark zersetztem organischen Material. Pilzähnliche Bakterien verleihen ihm den guten und charakteristischen Geruch von Walderde. Zwischen Laubresten und angerotteten Zweigen sind nun vor allem Kleinlebewesen am Werk.

Als dritte Schicht folgt der eigentliche Nährboden des Mischwaldes, in dem kaum noch feste Pflanzenreste zu finden sind. Regenwürmer und Pilze verkleben die Bodenteilchen. Es bilden sich wasserfeste Bodenkrümel und Ton-Humus- und Ton-Eiweiß-Komplexe. Die Rotte ist abgeschlossen.

...Wir machen's mit Technik
Der Mensch kann sich allerdings nicht soviel Zeit lassen wie die Natur: Im Biokompostwerk läuft der natürliche Prozess dank menschlicher Unterstützung wie im Zeitraffer ab. Der Bioabfall wird optimal aufbereitet. Die Umgebung (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftzufuhr) ist optimal auf die Bedürfnisse der Mikroorganismen abgestimmt. Ergebnis: Schon nach drei Monaten ist hochwertiger, ausgereifter Kompost entstanden, der als Bodenverbesserer die lebenswichtige Humusschicht auf ganz natürliche Weise ergänzen kann.

Die Kompostierung ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Schon in den alten Hochkulturen Südostasiens wurden organische Reste in Erdgruben zu Humus verarbeitet. Im Jahr 1909 bereiste der amerikanische Professor F. H. King im Auftrag der Regierung fernöstliche Länder, um zu erforschen, wieso im heutigen China, Japan und Korea eine 4000jährige Landbewirtschaftung möglich war, ohne dass Fruchtbarkeitsverluste auftraten. Sein Fazit: Die Landbau-Erfolge gründeten auf intensiver Kompostbereitung und -anwendung.

Mit der Entwicklung des Kunstdüngers im 19. Jahrhundert geriet die Kompostwirtschaft zunächst ins Hintertreffen. Doch ein zunehmendes Umweltbewusstsein hat in den letzten Jahrzehnten für ein Umdenken gesorgt.

Thema des nächsten Teils dieser Serie: Wie im Kompostwerk aus Bioabfall Biokompost wird.